“Als sexuell sehr aktive Frau, die sich mit vielen wechselnden Partnern vergnügt, trägt man das Hurenstigma, egal ob man sich bezahlen lässt oder nicht.”

Ich habe zwar vor ein paar Wochen in einem Beitrag über meine regelmäßigen Coronatests bereits über das Outing geschrieben, würde diesem Thema jedoch gerne einen eigenen Raum geben. Der inhaltliche Zusammenhang mit den Tests entstand dadurch, dass ich meine Ergebnisse von Beginn an unter meinem Klarnamen veröffentlichte, was einige aufmerksame Leser bemüßigte, mich ob dieses entsetzlichen Fehlers, den ich da wohl in ihren Augen begangen hatte, vor schier unvorstellbaren Folgen meines Tuns zu warnen.

Damals fand ich etwas deftige Worte und schrieb: “Wer meint, mir Warnungen wegen meinem Klarnamen schicken zu müssen, kann diese gerne für sich behalten, sie in ein Sackerl sagen und mir an die Tür hängen, sie sich einrahmen und aufhängen, sie einrexen etc. Wem es nicht ins Weltbild passt, dass Sexworker völlig geoutet und ohne Angst leben, der hat selber an sich zu arbeiten, anstatt andere alarmistisch zu belehren. Ich werde mich dafür weder erklären noch rechtfertigen, das ist einfach so und fertig.”

Mittlerweile regt es mich nicht mehr auf, wenn wieder mal so ein Mail kommt. Ich kann es nun mit größerer Gelassenheit annehmen, dass Menschen nun eben meinen, als Sexworker wäre man Verfolgung, Tod und Teufel ausgesetzt. Es mag Lebenssituationen geben, in denen es nicht anzuraten ist, sich zu outen, keine Frage. Für mich persönlich gilt das jedoch nicht mehr.

Ein ganz guter Vergleich ist jener zum Outing der sexuellen Orientierung: “Du bist doch lesbisch/schwul/transgender etc, wie kannst du da deinen Namen dazu schreiben?!” Da wäre viel eher klar, dass es ein gesellschaftliches Problem ist, es aber kein individuelles Problem sein sollte, wenn man aufgrund der sexuellen Orientierung Nachteile hat. Da gratuliert man Leuten viel eher für ein Outing, anstatt sie zu warnen. Da spricht man von “Mut”, nicht von “Fehlern”.

Auch meine Aktivität ist Ausdruck sexueller Orientierung. Es ist mir eben nur auf diese Art und Weise möglich, meine Sexualität in einer Form auszuleben, die mir selbst gut tut, die mich zufrieden macht, und die sozial verträglich ist. Als sexuell sehr aktive Frau, die sich mit vielen wechselnden Partnern vergnügt, trägt man das Hurenstigma, egal ob man sich bezahlen lässt oder nicht. Lässt man sich jedoch bezahlen, hat man ein paar Probleme weniger. Denn ein Leben als gratis Alltags-“Schlampe” ist wirklich nachteilig. Schrecklich war das damals mitunter, in vergangenen Jahren. Das Gerede derer, die davon eigentlich sexuell profitiert haben, die höhnischen Blicke der anderen, die spöttische Verachtung der KollegInnen im Büro, zu denen das Gerede durchdringt, das plötzliche Schweigen derer, denen man sich anvertraut hat, und ja, auch die Belästigung durch jene, die meinten, aufgrund meiner Promiskuität sei ich quasi willenlos oder unfähig, für mich selbst zu wählen. Nicht mehr die Steinigung ist heute die Strafe für die unkeusche Frau, sondern Hohn, Spott und Belästigung. Und auch Ekel.

Als gute und bekannte Hure jedoch, die ihre Neigungen kommerzialisiert hat und über dementsprechend gute Kunden verfügt, bin ich für diese Art der Diskriminierung und Belästigung nicht mehr erreichbar. Dieses Thema ist den meisten Leuten viel zu groß, das können sie sich gar nicht “in Echt” vorstellen, da können sie nur kopfschütteln. Und wer so radikal geoutet ist und sich so präsentiert wie ich, erscheint sowieso ein bisschen gefährlich und plemplem, so jemanden lässt man wohl lieber in Ruhe. 🤪 Allfällige Stalker und ähnliche Idioten trauen sich über sowas wie mich offenbar nicht drüber. So stell ich mir das zumindest vor, denn bisher hat es noch niemand gewagt, mich oder meine Familie wegen meiner Tätigkeit zu diskriminieren oder auch zu belästigen. Immerhin bin ich nun seit 4 Jahren im Geschäft. Und wem das nicht passt, der kann sich ja gerne verabschieden. Insofern kann ein Outing eine gute Bereinigung und Stärkung des sozialen Netzes sein. Eine einzige Person wandte sich ab, viele andere gewann ich dazu.

Ein Outing ist eine höchstpersönliche und wohlüberlegte Entscheidung. Ich möchte, dass das respektiert wird. Ich möchte, dass einfach selbstverständlich vorausgesetzt wird, dass ich mir darüber – natürlich! – ausreichend Gedanken gemacht und eine bewusste Entscheidung getroffen habe. So etwas “passiert” einem nicht, sondern das ist sehr bewusster und reflektierter Akt.

Ich brauch also wirklich keine Warnungen mehr, und auch keine belehrenden Meinungen. Das einzige, was hier zählt, ist meine Meinung, betrifft ja auch mein Leben. Freut euch einfach für mich, dass ich persönlich in meiner Biographie so weit bin, mich outen zu können. Andere sind das nicht, oder würden das auch nicht wollen, wenn sie es könnten, und das ist genauso zu respektieren. Es gibt keine Norm, kein generelles Richtig und Falsch. Richtig ist hierbei immer nur das, was der betroffenen Person richtig erscheint.

Mein Name steht außerdem schon ewig im Impressum, und nein, das ist nicht der Name einer Anwältin, die ein solches zur Verfügung stellt, wie offenbar manche phantasiert haben, nein, das bin ich selbst. Und ja, all die wissenschaftlichen Googletreffer mit dem Namen sind ebenfalls ich, whooohooooo. 🥴 Und nein, eine Impressumsadresse muss keine Wohnadresse sein. Ich komm da nur sporadisch vorbei, um die Post abzuholen.

Wer also Autogramme will, wird enttäuscht sein und vergeblich an der Adresse auf mich warten. Bitte mich hier deswegen zu kontaktieren. Honorarangebot nicht vergessen! 💰😆

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