In Salzburg findet derzeit die von der Plattform Menschenrechte ausgerichtete und von PiA Salzburg mitorganisierte Veranstaltungsreihe “Let’s Talk About Sex Work” statt. Am 07.06. durften wir von Sexworker.at im Anschluss an einen Vortrag der Sozialwissenschafterin Dr. Helga Amesberger im Rahmen einer Podiumsdiskussion über die Situation der Sexarbeit in Österreich und vor allem in Salzburg sprechen. Die gut besuchte Veranstaltung gab uns die Möglichkeit, unserer Forderung nach Gewährleistung der Menschenrechte für Sexarbeitende vor zahlreichem Publikum Ausdruck zu verleihen. Hierzu zählt allem voran unser dringender Ruf nach Abschaffung der in Österreich als einzigem Land weltweit stattfindenden gefährlichen Zwangsuntersuchung für Sexworker, die auch von Amnesty International aufs Schärfste verurteilt wird. 

Die für mich wichtigste Einsicht dieses Tages erhielt ich aus dem Vortrag von Helga Amesberger. Eigentlich liegt es auf der Hand, doch es war wichtig, dies als eindeutiges Forschungsergebnis bestätigt zu hören:

Die Größe des Sexarbeitsmarktes ist stabil und ändert sich nicht durch Veränderungen in der Gesetzgebung. Es wird also durch Verbote und rigide Regelungen niemals und nirgendwo weniger Sexarbeit angeboten oder nachgefragt. Durch die Ausgestaltung der Gesetzgebung ändern sich nur zwei Faktoren, nämlich erstens: Das Verhältnis zwischen legalem und illegalem Bereich. Rigide Gesetzgebung schränkt Sexarbeit also niemals ein, sondern verkleinert nur den legalen Bereich zugunsten eines im selben Ausmaß wachsenden illegalen Bereichs. Der zweite von Gesetzgebung abhängige Faktor sind die Arbeitsbedingungen der Sexarbeitenden. Umso rigider, kriminalisierender die Rechtslage ist, umso größer natürlich der illegalisierte Bereich und umso schlechter die Arbeitsbedingungen (die wiederum direkte und indirekte Auswirkungen auf die Gesundheit haben).

Das ist sehr einleuchtend und sehr logisch. Daher bitte ich euch wieder: Haltet einen Augenblick inne, denkt das durch: Bitte geht keinen “gutgemeinten” Regeln auf den Leim, die vordergründig unserem “Schutz” dienen sollen. An uns adressierte Regeln und Vorschriften dienen ausschließlich unserer Kontrolle und Einschränkung, und genau dadurch werden WIR gestraft, verfolgt, erpresst, WIR, die man “schützen” wollte. Schützen kann man Menschen jedoch nur, indem man sie mit Rechten ausstattet und für die Einhaltung dieser Rechte kämpft! 

Ich danke allen Beteiligten für ihre großartige Arbeit für diese Veranstaltungsreihe, vor allem Christine Nagl von PiA, Christian Knappik von Sexworker.at, der etablierten Kollegin Nora White, die mit mir am Podium saß, und einer angehenden Kollegin, die mir angenehme Gesellschaft auf der verregneten Autofahrt gewährte und der Diskussion im Publikum beiwohnte. Leider konnte ich am zweiten Tag der Veranstaltung nicht mehr in Salzburg dabei sein, als die großartige Doku “Wo Sexarbeiterinnen keine Rechte haben” gezeigt wurde. Ich werde diese Doku aber für euch in einem eigenen Blogbeitrag zur Verfügung stellen. 🌹

INDEPENDENT ESCORT WIEN

…ist Begleitung für intelligente Menschen. ❤️ 

Liebe Leute, ich danke euch für die mentale und persönliche Unterstützung anlässlich der Veranstaltungen rund um den internationalen Hurentag! Die Frauensprecherin der Grünen Wien, Viktoria Spielmann, hat am 02.06. auf der von LEFÖ ausgerichteten Veranstaltungen am Urban-Loritz-Platz genau das gemacht, was allgemein selbstverständlich sein sollte: Nämlich MIT uns anstatt ÜBER uns zu reden. Die Allianz PRO SEXWORK für die Rechte von Sexarbeitenden, der auch wir von Sexworker.at angehören, freut sich insbesondere darüber, dass die Grünen uns in unserem wichtigsten Anliegen unterstützen, nämlich der Abschaffung  der demütigenden und weltweit nur in Österreich stattfindenden Zwangsuntersuchung für Sexworker. 

Besonderen Dank möchte ich an Christine Nagl von PiA Salzburg für ihr unermüdliches Engagement richten! ❤️

Fotocredit Julian Kocher

Der rote Regenschirm symbolisiert den Widerstand der Sexarbeitenden gegen Entrechtung. Die fehlenden Rechte sind es nämlich, die uns vulnerabel für Ausbeutung machen. Wir fordern daher ein konsequentes Umdenken und einen veränderten Blick auf Sexarbeit, der uns Menschenrechte zugesteht, allen voran das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung ohne die paternalistische Einmischung des Staates in intime Begegnungen. 

Fotocredit Julian Kocher

Ganz außerordentlich gefreut hab ich mich darüber, dass sogar Kunden von mir am Welthurentag vorbeigekommen sind, denn das Hurenstigma betrifft immerhin nicht nur Sexarbeitende, sondern auch ihre Kunden. Ich bin überzeugt davon, dass der Tag kommen wird, da man Sexarbeitskunden nicht mehr unkenntlich machen muss, um sie vor Anfeindung zu schützen. Mit ihrer ausdrücklichen Erlaubnis darf ich diesen Schnappschuss von der Eispause mit euch teilen. ❤️

Sexarbeiterinnenrechte sind Menschenrechte. Bitte hinterfragt immer “gutgemeinte” Regelungen, die uns in unserem Tun einschränken, denn nur allzu schnell geraten wir genau dadurch in jene Ausbeutung und Abhängigkeit, die man eigentlich zu vermeiden trachtet. Nur Rechte ermöglichen uns Selbstbestimmung, Eigenständigkeit und Selbstverantwortung. Verbote und andere einschränkende Regulierungen liefern uns dagegen Polizeiverfolgung und Erpressungsversuchen aus. Only rights can stop the wrongs. ❤️

INDEPENDENT ESCORT WIEN

Liebe Leute, anlässlich des heute stattfindenden internationalen Hurentags möchte ich euch auf die Presseaussendung der Allianz PRO SEXWORK, der auch wir von Sexworker.at angehören, aufmerksam machen. Bitte beachtet auch die Veranstaltungshinweise am Schluss: Vielleicht sehen wir uns ja heute mit Freunden, Unterstützern und Verbündeten am Urban-Loritz-Platz in Wien, ab 16 Uhr! ❤️ Die Veranstaltungen, wo ich dabei bin, hab ich euch rot markiert. 


Presseaussendung

Internationaler Hurentag

Anlässlich des diesjährigen Internationalen Hurentages, der seit 1975 jedes Jahr am 2. Juni begangen wird, kritisiert PRO SEX WORK – Allianz für Sexarbeiter*innenrechte – die stigmatisierende Darstellung von Sexarbeit in den Medien sowie hinterfragenswerte Vorgehensweisen der Exekutive. 

Die Allianz PRO SEXWORK besteht aus den Sexarbeiter*innen-Selbstorganisationen sexworker.at und Red Edition, sowie den Beratungseinrichtungen maiz (Linz), PiA (Salzburg), iBUS (Innsbruck), SXA-Info (Graz) und LEFÖ (Wien).

Wir stellen vermehrt fest, dass derzeit in diversen Medien verunglimpfende Schlagzeilen inBezug auf Sexarbeit erscheinen: „Freier leben gefährlich, wenn sie die Dienste von Sexarbeitenden in Anspruch nehmen, weil diese die vorgeschriebenen Untersuchungen nicht machen und deshalb nicht frei von Geschlechtskrankheiten sein könnten.“

In einem anderen Medium ist zu lesen, dass sich vermehrt Kunden von Sexarbeiter*innen in Wien mitGeschlechtskrankheiten angesteckt hätten. Diese Botschaft wird mit anonymen Anrufen begründet.

Die Gefahr der Ansteckung geht laut dieser Pressemeldungen von den Sexarbeitenden aus, die nur durch Untersuchungen geschützt werden können. Freier hingegen können nur sicher sein, dass sie keine Krankheit bekommen, wenn sie die Kontrollkarten der Sexarbeiter*innen überprüfen würden oder, wenn sie ein behördlich genehmigtes Bordell besuchen.

Derartige Aussagen verarmen jede Debatte über das Thema und zeigen Missachtung und Ignoranz gegenüber den (meist rassifizierten) Menschen, die in der Sexarbeit tätig sind. Sie haben auch eine gefährliche Nebenwirkung: Sie führen zu Diskriminierung und Stigmatisierung.

Die – in Österreich als einzigem Land weltweit – verpflichtenden Untersuchungen, die durch Amtsärzt*innen vollzogen werden, verursachen, dass die Verantwortung für Prävention und Körperhygiene ausschließlich den Sexarbeitenden aufgebürdet wird und blendet aus, dass die Freier mit Selbstbestimmung ausgestattet und für ihre Entscheidungen gleichermaßen verantwortlich sind.

In einem anderen Artikel ist zu lesen, dass die Polizei sogar schon dazu übergeht, Privatwohnungen anzumieten, um verdeckte Ermittlungen (Agent Provocateur) durchzuführen. Ein Tiefpunkt der Polizeiarbeit, der uns hinterfragen lässt, ob diese Vorgehensweise im Rahmen des Verwaltungsrechtes gerechtfertigt ist und mit den eigentlichen Aufgaben der Exekutive in Einklang zu bringen ist.

Weiters wurde uns vermehrt zugetragen, dass die Exekutive bei Kontrollen in den Betrieben immer wieder Fotos von Sexarbeitenden mache. Es ist für uns nicht nachvollziehbar, welche gesetzlichen Vorgaben dem zu Grunde liegen und es werfen sich uns folgende Fragen auf:

Wo werden diese Fotos gespeichert?

Wer hat darauf Zugriff?

Werden diese gelöscht?

Inwieweit werden hierbei Datenschutz- und Persönlichkeitsrechte gewahrt?

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Wir fordern deshalb:

• Sowohl eine selbstkritische und hinterfragende Haltung, als auch einen sensiblenSprachgebrauch in den Medien: die Kommunikation kann zu Gewalt und mehrStigmatisierung führen

• Ein Ende von verdeckten Polizeiermittlungen und photographischen Aufnahmen von Sexarbeitenden in ihrer Arbeitskleidung

• Die Abschaffung der Zwangsregistrierung und Pflichtuntersuchungen

• Die Anerkennung von Sexarbeit als selbstbestimmte Arbeit

• Vollständige Entkriminalisierung aller Aspekte von Sexarbeit und ein Ende der Illegalisierung

• Die Miteinbeziehung von Sexarbeiter*innen, in sie betreffende politische Entscheidungsprozesse.

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Aktionen anlässlich des Internationalen Hurentages:

Innsbruck:

1. Juni: Lesung aus dem Buch “Ich bin Sexarbeiterin” mit anschließender Podiumsdiskussion zur aktuellen rechtlichen Lage von Sexarbeit in Innsbruck, mit Zeliha Arslan(Die Grünen): 19 Uhr Stadtbibliothek Innsbruck. Eine Veranstaltung von iBUS.

2. Juni: iBUS Infostand in der Maria-Theresien-Straße von 12 bis 16 Uhr

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Wien:


2. Juni ab 16 Uhr: Aktionstag von LEFÖ/TAMPEP am Urban-Loritz-Platz, Wien 7 /mit: Info-Café, Reden, Musik,Flashmob und vielem mehr! Thorja dabei! 🥰
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Graz:

2. Juni 15 Uhr Informationstisch der Beratungsstelle SXA Info. Mariahilferplatz

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Linz:

2.Juni 10:00 – 12:00 Uhr. Bei maiz: Brunch und Gesprächskreis im Rahmen der Veranstaltungsreihe “CIRCLE OF CARE” zum Thema Sexarbeit als Carearbeit

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Salzburg “Let’s Talk About Sex Work!” – Veranstaltungsreihe

07. Juni ab 17 Uhr: Vortrag und interaktives Podiumsgespräch “PaySex im Fokus” mit Dr.in Helga Amesberger, Vorstandsmitgliedern von sexworker.at & Sexarbeiter*innen, Galerie 5020 (Residenzplatz). Thorja dabei! 🥰


08. Juni ab 19 Uhr: Kinoabend “Schweden – Wo Sexarbeiter*innen keine Rechte haben” & anschließendem Vortrag und Fragerunde zum schwedischen Modell mit Christine Nagl & Plattform Menschenrechte, Frei:Raum (Kaigasse 17)

Mehrere Daten im Juli ’22: Stadtspaziergänge “Auf den Spuren der käuflichen Lust”mit Christine Nagl, Mit Anmeldung unter c.nagl@frau-und-arbeit.at

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Anmerkung von Zwerg: Die Webseite der PRO SEXWORK – Allianz für Sexarbeiter*Innenrechte, der wir auch angehören, findet Ihr unter https://www.sexarbeit.info – dort sind auch die Grundsätze zu finden (Ählichkeiten mit der sexworker.at Deklaration sind rein zufällig entstanden)

Nora White und ich haben mit Annie Müller Martinez über die Situation der Sexarbeit in Österreich gesprochen. Hört hier zu, was wir als erfahrene Sexworker aus unserer Expertise im Praxisfeld der Sexarbeit und unserer politischen Tätigkeit bei der im deutschsprachigen Raum größten, ältesten, und von Sexworkern geleiteten Selbstvertretungs-NGO Sexworker.at zu sagen haben. Und nein danke, ich lege keinen Wert auf Screenshots aus dem Kroneforum (und aus dem lilanen Forum genauso wenig.) 😵‍💫😄

 

 

Wir bedanken uns bei Annie für die tolle Zusammenarbeit, die wertschätzende Moderation und die vorurteilsfreie Herangehensweise! Auch deine Geduld mit uns, wenn wir den Faden verloren oder uns zum x-ten mal verhaspelt hatten, war herausragend! ☺️

 

Und wenn du, lieber Leser, nach aufmerksamem Studium unserer Sendung der Meinung bist, ich sollte dir auch was flüstern, dann beginnt hier dein Weg dorthin, denn… 

FREELANCE ESCORT WIEN

…ist Escort für intelligente Menschen. ❤️ 

Wie die Krone hier berichtet, stellt die Polizei in Wien derzeit die Ausstellung von Strafen bei der Kontrolle von Prostitutionslokalen ein. Für die diesbezüglich weniger vorgebildeten Leser: Das Prostitutionsgesetz ist ein von Branchenunkenntnis getragenes Wirrwarr an Regelungen. Fernab der lebensweltlichen Realität öffnet es polizeilicher und generell behördlicher Schikane Tür und Tor, und wird in vielen maßgeblichen Details von NGOs als menschenrechtsverletzend eingestuft.

Die aktuelle Ausgestaltung der Gesetze zur Regulierung der Sexarbeit verunmöglicht im Großteil Österreichs Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. So ist Escort in den meisten (!) Bundesländern verboten. Man MUSS dort in Bordellen arbeiten, die damit als einzige Gatekeeper für legale Arbeit in die Position kommen, ihre Macht zu missbrauchen, indem sie Preise und Services festlegen (womit im übrigen der Tatbestand der Zuhälterei erfüllt ist). Wer sich nicht dran hält, kann nicht arbeiten.

Ganz zu schweigen von der nur noch in Österreich gängigen Praxis der vaginalen Zwangsuntersuchung für Sexarbeitende im 6-Wochen-Intervall, die allein den Sexarbeitenden die gesamte Verantwortung für die sexuelle Gesundheit in die Schuhe schiebt und bei Freiern vermehrte Nachfrage nach ungeschütztem Sex fördert. Im Rest Europas und auch sonst fast in der ganzen Welt gibt es diese Zwangsuntersuchung nicht mehr. Das ist ein menschenverachtendes Relikt aus grauer Vorzeit. Die Fragen, die sich dazu stellen: Wenn es um meine Gesundheit geht, warum ist es dann gerade ein Polizist, der kontrolliert, ob ich mich regelmäßig untersuchen lasse? Auf diesen Einwand folgt meist die Entgegnung, es ginge ja in erster Linie um Menschenhandel. Aha. Und warum muss man mir dann in die Scheide schauen? Was glaubt man in meiner Vagina für Indizien für oder gegen Menschenhandel zu finden? 🙄 Liegt dort ein Reisepass herum, oder sieht man da drin die Route, durch die ich mich gevögelt habe? Fadenscheinig, sehr fadenscheinig das Ganze. 

Die gesundheitlichen Nachteile der Praxis der Zwangsuntersuchung sind auch hinlänglich bekannt, diesbezügliche Forschungsergebnisse sind sogar auf der Website des Bundeskanzleramts verlinkt:

https://www.bundeskanzleramt.gv.at/agenda/frauen-und-gleichstellung/prostitution.html

Man findet unter dem Link (ganz unten) eine Gesundheitsfolgenabschätzung aus 2019, die klar zu dem Ergebnis kommt, dass die Zwangsuntersuchung NICHT gesundheitsförderlich ist, weder für Freier noch für DienstleisterInnen. Aber: Egal, sachliche Argumente haben im Regulierungswahn zur Sexarbeit noch nie jemanden interessiert. Wird einfach weiter gemacht. Weil mochma scho imma so. 

Aber darauf will ich in erster Linie gar nicht hinaus, weil eh ein alter Hut. Die Zwangsuntersuchung hat abgeschafft zu werden, und das wird auch in AT früher oder später der Fall sein. Vielleicht ist das Aufgeben der Kontrollen durch die Polizei ein Hinweis darauf, dass  diesbezüglich Bewegung in die Sache kommt. Aber was mir gerade den Kragen platzen lässt, ist was anderes. Nämlich die Stimmungsmache gegen eigenverantwortliche Sexarbeit. In einer unsagbar dümmlichen Nachahmung und Festigung des unreflektierten Alltagswissens vom “sicheren Bordell” und abseits jeder Recherche heißt es im Artikel: “…die sichere Umgebung, die ein offizielles Prostitutionslokal GARANTIERT”. 

Diese Aussage ist auf mehreren Ebenen höchst problematisch. Wer meint, dass man Sicherheit für Frauen garantieren könne, hat das Wesen der Gewalt grundsätzlich nicht verstanden. Gewalt hält sich nicht an Regeln, lässt sich nicht regulieren. Gewalt IST situative, akute Grenzüberschreitung, die aus heiterem Himmel auf die Betroffenen hereinbricht, und dagegen hilft auch ein Bordellzimmer nichts. Nur selten sitzt man gerade direkt neben dem Alarmknopf und hat eine Hand frei, um den Security zu rufen. Von den Securities geht in vielen Fällen selbst Gefahr in Form von Belästigung und kleineren und größeren Übergriffigkeiten aus, wie ich aus eigener Erfahrung in Nichtsexarbeitsbereichen und aus meiner beruflichen Vergangenheit als Sozialarbeiterin nur allzu gut weiß.

An dieser Stelle ein Zitat aus einem Gespräch mit einer Sexarbeiterin, die Bordell- und Gewalterfahrung hat: 

“Der (Gewalttäter, Anm.) hört den Alarm und erwürgt dich vielleicht noch, während der gelangweilte Typ in der Sprechanlage sagt: Haben Sie einen Notfall?”

Besser kann man die Furcht vor totaler Eskalation, die man in Gewaltsituationen verspürt, nicht auf den Punkt bringen. 

Äußerst bedenklich ist aber auch, dass mit der vermeintlichen Sicherheitsgarantie eine Verhöhnung von allen Gewaltbetroffenen, ganz unabhängig davon wo sie arbeiten, stattfindet. Nicht nur Verhöhnung, sondern auch massives Victim Blaming:

Denn wenn Sicherheit angeblich garantiert ist, und Gewalt findet trotzdem statt – was bedeutet das dann? Dann sind ja wohl die Betroffenen selbst schuld. “Naja, hast halt den Alarmknopf zu spät gedrückt. Nicht aufmerksam genug gewesen. Warum hast du den überhaupt eingelassen? Musst halt in der Nähe des Alarmknopfs bleiben. 🤷‍♀️ WIR haben schließlich ALLES getan, um deine Sicherheit zu GARANTIEREN. Der Rest liegt an dir.” 

Und Sexarbeiterinnen, die nicht in diesen angeblichen Garantiebereichen arbeiten? Na mit denen braucht man dann ja überhaupt keine Solidarität mehr zu haben, wenn sie überfallen und vergewaltigt werden. “Naja, hätte sie halt in einem sicheren Bordell gearbeitet. Selbst Schuld.” Vielleicht ist sie ja gar eine “Illegale” ohne Deckel, na die braucht sich ja dann gar nicht wundern. Das ist Victim Blaming wie es im Buche steht. Und es ist so eine Heuchelei, eine Augenauswischerei. Alle können dann Verständnis heucheln und so tun, als ob ihnen unsere Sicherheit wichtig wäre. In Wahrheit wird den Sexarbeitenden die Gesamtverantwortung umgehängt und die eigene weiße Weste abgeputzt.

Und immer sollen sich die Betroffenen verbiegen, anstatt auf der Täterseite zu intervenieren. Was im allgemeinen Diskurs zur genderzentrierten Gewalt schon thematisiert wird, etwa mit den Initiativen “Educate your sons” statt Victim Blaming wird im Bereich der Sexarbeit noch völlig ausgeblendet. An den Betroffenen wird herumgedoktert, die sollen Alarmbänder an den Handgelenken tragen (wo es mir als Sozialarbeiterin mit Deeskalationsausbildung alle Haare aufstellt), die sollen sich einkasteln in Bordellzimmern, kriegen immer mehr Regeln aufgebrummt, die sie zu ihrem “Schutz” einhalten sollen. Funfact nebenbei: bei deren Nichteinhaltung werden dann die zu Schützenden vom Staat gestraft😆. 

Wenn von Sicherheitgarantien die Rede ist, dann wird damit außerdem noch etwas äußerst Bedenkliches suggeriert: Nämlich dass Gewalt in der Sexarbeit etwas normales wäre. Etwas so normales, dass man es sogar regulieren und abwenden kann. Die Normalisierung von Gewalt ist sehr gefährlich, da sie uns in Bausch und Bogen zu Opfern macht. Aber: Gewalt ist NICHT normal! Deswegen kann man ihre Abwesenheit auch nicht “garantieren”. Man kann auch im öffentlichen Raum keine Gewaltfreiheit garantieren. Oder in der Familie, oder auf dem Schulhof. Zur Gewaltprävention gehört, dass man jene, die man für vulnerabel hält, stärkt. In ihren Rechten, in ihrem Auftreten. Sie müssen die Sicherheit haben, dass der Staat auf ihrer Seite ist, ganz selbstverständlich. So wie etwa die Möglichkeit geschaffen wurde, Vergewaltigung in der Ehe anzuzeigen. Auch hier hat man anerkannt, dass die Ehe keine Sicherheitsgarantie ist. Und anstatt den Frauen irgendwelche absurden Vorschriften zu machen, etwa sich untersuchen zu lassen, damit sie überhaupt zur Polizei gehen können, oder sich in ein eigenes Zimmer zurückzuziehen, mit Alarmknöpfen und Sprechverbindung zur Polizei, anstatt also den Ehefrauen Regeln für ihren “Schutz” aufzubrummen, hat man anerkannt, dass Gewalt hier genauso wenig normal ist wie in anderen Bereichen, sondern vielmehr normal geahndet wird. 

Wer es ehrlich mit uns und unserer Sicherheit meint, der sollte daher eintreten für:

Die Stärkung selbstbestimmter Sexarbeit und die Abschaffung von Regeln, die realitätsfern sind! Denn nur wenn eine Sexarbeiterin nicht umzingelt ist von 1000 Regeln, die kaum einzuhalten sind, nur dann kann sie Straftaten auch anzeigen, ohne sich selbst zu bezichtigen. Kleines Beispiel zur Konkretisierung: Als in den Bordellen noch Sperrstunde 22 Uhr herrschte, wussten gewaltbereite Kunden genau, dass sie nur ein bisschen die Zeit überziehen brauchen und sich nach 22 Uhr aufführen können, wie sie wollen. Die Dienstleisterinnen konnten nach 22 Uhr die Polizei nicht mehr rufen. Oder: Der Deckel gestern abgelaufen? -> Keine Anzeige mehr möglich. Einen Stammkunden in die Wohnung gelassen und er ist rabiat geworden? Nun, Sexarbeit in der eigenen Wohnung ist in AT auch verboten. Zu unserem “Schutz”. Das führt aber dazu, dass Übergriffigkeiten in Wohnungen erst recht stattfinden, eben WEIL Gewalttäter wissen, dass die Sexarbeiterinnen keine Anzeigen einbringen können, da sie in der Illegalität arbeiten. Dasselbe gilt für Escorts in den meisten Bundesländern. 

Diese Beispiele illustrieren sehr gut, wie wichtig es für Sexarbeiterinnen wäre, diesen Staat, die Polizei auf ihrer Seite zu wissen. Und dahin kommen wir nur durch Entstigmatisierung dieses Berufs. Es muss normal sein, erotische Dienstleistungen anzubieten, an selbstbestimmt gewählten Orten. Keine diskriminierenden Sondergesetze. Nur wenn eine Sexarbeiterin weiß, dass ihre Arbeit wertgeschätzt wird und sie den Schutz der staatlichen Organe in ihrem Rücken weiß, genau wie jeder andere Dienstleister auch, nur dann wäre zumindest eine Basis für mehr Sicherheit gelegt. Aber davon sind wir weit entfernt. Zumindest jetzt noch.

Ich will mal so blauäugig sein und hoffen, dass die Weigerung der Polizei, Sanktionen im Zusammenhang mit Bordellkontrollen zu verhängen, eine Wende in der völlig veralteten und uns gefährdenden Gesetzgebung einläutet. Vielleicht geht der Schuss aber auch in die ganz andere Richtung und wir werden noch stärker reguliert, bis hin zur kompletten Illegalisierung sämtlicher bordellbetreiberunabhängigen Sexarbeit, was ein Verbot von Escort bedeuten würde. In diesem Fall kündige ich gleich an, mich darüber hinwegzusetzen. Ich werde mir niemals von diesem Staat vorschreiben lassen, wen ich wo treffe. Es geht niemanden etwas an, was ich hinter verschlossenen Türen mit wem mache und was ich dafür bekomme. Diese Macht hat sich niemand anzumaßen.

Und hier zeichnet sich auch gleich ein dystopisches Szenario einer möglichen Zukunft ab: Die Illegalisierung von Escort führt nur dazu, dass eine Spaltung, eine Dichotomisierung auf der Angebotsseite stattfindet, ähnlich wie in Staaten, in denen das “nordische Modell” gilt: Jene Independent Escorts, die es sich gut richten können, werden ihre Websites im Ausland hosten. Das Angebot verknappt sich, die Preise steigen. Interessenten zahlen im Voraus an, um zu einer Buchung zu kommen, was verdeckte Ermittlungen erschwert. Genau so und nicht anders würde ich das machen. So gibt es etwa tatsächlich auch Arbeitsmigration von Deutschland nach Schweden, weil dort aufgrund der Illegalisierung viel höhere Escorthonorare zu erzielen sind. 

Für eine kleine Gruppe von Escorts werden die Geschäfte besser laufen als jemals zuvor. Für alle anderen aber wird es gefährlicher als jemals zuvor. Und ob das ein Szenario ist, was letztendlich in der Gesamtschau wünschenswert ist, wage ich zu bezweifeln. 

Aber nun gut, noch bewegen wir uns im legalen Feld. Ich hoffe von ganzem Herzen auf eine umsichtige, weitblickende und entstigmatisierende Reform des Sexarbeitsrechts in Österreich. 

So sprach eure….

INDEPENDENT ESCORT WIEN

…die unabhängige Begleitung für intelligente Menschen. ❤️ 

Update vom 09.11.: Sehr wichtig zum Thema, bitte lest diese aktuelle Schilderung einer Sexarbeiterin aus einem Laufhaus! Erschreckend und zum Speiben ->  https://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?f=19&t=15108&sid=9cc2a963f1d84f0ec87b676b59e98448#p165672

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Beitrag vom 26.10.: Es wird einem regelrecht übel dabei, wenn man derzeit in Boulevardmedien blättert. Laufhausbetreiber stellen sich wieder mal als die Retter der “Rotlichtszene” dar und lassen sich in regelrechten Feldherrenposen ablichten. Damen ohne Gesichter zeigen dazu ihre Hintern. An Frauenverachtung ist das kaum zu überbieten. 

Sie lamentieren über Umsatzeinbußen. Nona. Die Pandemie hat kaum einen Dienstleistungssektor verschont gelassen. Gerade die Sexarbeit lebt von Diskretion und Anonymität. Natürlich schlägt es sich daher in ausnahmslos allen Bereichen der Sexarbeit auf die Umsätze nieder, wenn Kunden sich registrieren sollen. Die Angst vor Ansteckung bei körpernahen Dienstleistungen tut ihr übriges. Dazu die widersprüchlichen Informationen zum Schutz durch Impfung, 3G, 2,5G… etc. Kein Wunder, dass allerorts die Kunden ausbleiben. 

Und kein Wunder ist es auch, dass sich Laufhausbetreiber seit jeher gegen selbständige Sexarbeit stark machen. Immer wenn sie irgendwo zu Wort kommen, verunglimpfen sie alle Frauen, die unabhängig von ihnen arbeiten. Eh klar, mit selbständiger Sexarbeit machen sie eben kein Geschäft! Deshalb ist ihnen alles ein Dorn im Auge, was nicht unter ihrer Fuchtel steht: Sexarbeit in eigenen Wohnungen, Sexarbeit als unabhängige Escortdienstleistung, Sexarbeit auf der Straße. All das sind Formen der Sexarbeit, wo das Honorar der Sexarbeiterin verbleibt und kein Betreiber die Hand aufhält. Um dagegen Stimmung zu machen, werden die schlimmsten Geschütze aufgefahren, die wir in der Geschichte der Sexarbeit eh schon zur Genüge kennen: Entweder werden diese Frauen als Opfer hingestellt, oder – wenn das nicht gelingt – als Täterinnen. So seien die Frauen in den unabhängigen Sexarbeitsformen Opfer von Zuhältern oder von gewaltbereiten Kunden, oder, wenn diese Argumente sich als fadenscheinig entpuppen, weil nach Kenntnis der Hintergründe jedem klar wird, dass in Wahrheit die Laufhausbetreiber diejenigen sind, die vom Staat mit der Macht von Zuhältern ausgestattet sind, dann werden diese unabhängigen Frauen eben einfach als krank und ekelhaft und als Gefahr für die “Volksgesundheit” hingestellt. Huren Krankheit zu unterstellen, ist immer das Leichteste und Schäbigste. Und so zu tun, als hätte man als Betreiber ein Monopol an Gesundheit, ist an Niedertracht nicht zu überbieten. 

Und jetzt passiert es boulevardmedienwirksam wieder: Es wird den Huren die Schuld an den Umsatzeinbußen der Laufhäuser gegeben. Die Huren selber seien nun schuld, dass sie, die tollen, “sauberen”, “hygienischen”, “sterilen” (LOL), “geprüften” Laufhäuser bis zu 50% Umsatzeinbußen haben. Es wird ein unsympathisches, raffgieriges Bild der Sexarbeiterinnen gezeichnet: Sie seien auf den Geschmack gekommen, in Wohnungen zu arbeiten, diese Bösen! Illegal ist das, furchtbar, diese Weiber! Habgierig sind sie! Schmutzig wahrscheinlich, ungeprüft, und krank obendrein! Pfui gack! Dem gehört ein “Riegel vorgeschoben”.

Mit dem Nimbus der Rechtschaffenheit treten sie auf, diese Typen. Mit Sonnenbrille und Frauen, äh pardon, “Mädchen”, als Garnierung. Medien geben ihnen immer wieder eine Bühne. Warum? Na weil sich das einfach besser verkauft als eine differenziertere Wahrheit. Es wäre einfach langweilig, wenn man immer schreiben müsste: RECHTE brauchen diese Frauen, nicht Entrechtung in Form von Abhängigkeit von Betreibern! Und wenn man obendrein als Bildsprache nur eine normal angezogene Frau hätte, die dies fordert. Das wäre viel zu wenig reißerisch. Und es entspricht ja alles so schön dem kulturellen Narrativ: An der Spitze einer solchen Einrichtung muss eine Art Patriarch stehen. Eine männliche Leitfigur, die dort alles “im Griff” hat. Ein “Pater” im Wortsinn des Herrschers, Vaters, Oberhaupts, Häuptlings, zu dem alle aufschauen, der die Deutungshoheit besitzt und der für alle hierarchisch unter ihm Stehenden sprechen kann. Dem diese Frauen ein bisschen gehören. Sind ja “seine Mädchen”. Er passt ja auch auf sie auf. Es ist so durchschaubar, dass einem eigentlich die Worte fehlen. Und trotzdem verkauft sich diese Story ein ums andere Mal. 

Richtig ist vielmehr folgende Lesart: Ja, manche Frauen haben sich aufgrund ihrer negativen Erfahrungen zum Glück von der Ausbeutung durch Laufhausbetreiber unabhängig gemacht! Und ja: Illegal ist die Arbeit in der Wohnung – aber nur, weil sich unsere Gesetzgebung das so einbildet. Illegalisiert ist der richtige Begriff, nicht illegal. Die österreichische Gesetzgebung verunmöglicht selbständiges und von Neo-Zuhältern wie manchen Laufhausbetreibern unabhängiges Arbeiten in den meisten Bundesländern. Nur in 4 Bundesländern ist Escort überhaupt erlaubt. Und die Arbeit in Wohnungen ist in ganz AT illegalisiert. Österreich nimmt damit eine traurige Sonderstellung ein. In Deutschland etwa kann man Wohnungen als Arbeitswohnungen anmelden, um darin der Sexarbeit nachzugehen. Also, was ist überhaupt das Problem damit? 

Aber damit nicht genug. Nicht nur die Verantwortung für ausbleibende Kunden wird den selbständig arbeitenden Frauen in die Schuhe geschoben, sondern mehr noch: Abschiebung wird gefordert, ein Entzug der Arbeitserlaubnis, höhere Strafen! “Das würde ihnen richtig wehtun”, sagt einer der Protagonisten. Ist das an Verachtung noch zu überbieten? Zum Kotzen ist das. Was ist eigentlich deren Leistung? Um Unsummen (bis zu 1.000 Euro PRO WOCHE!!) mietet eine Sexarbeiterin ein Zimmer in einem Laufhaus. Und die Betreiber sind ausgestattet mit Kontrollrechten seitens des Staates. Sie sind staatlich eingesetzte Zuhälter, nichts weiter. Von “Mädchen” reden sie. “Mädchen”, die sie “überprüfen”, wie Vieh, damit die Kunden “sichere Sexarbeit” in Anspruch nehmen können. Allein schon diese Wortwahl entlarvt die Geringschätzung dieser nach Gesetz als Neue Selbständige tätigen erwachsenen Frauen. Der Ausbeutung fallen diese erwachsenen Frauen anheim, weil die Betreiber ihnen die Arbeitsbedingungen diktieren können.

Pause machen? Spazieren gehen zwischen zwei Kunden? Schwierig, wie ich von Kolleginnen hören musste. “Wenn du dauernd Pause machst, wissen wir nicht, ob wir dir in Zukunft noch ein Zimmer anbieten können, da beschweren sich Kunden, weil du von uns beworben wirst, aber nicht am Zimmer bist!”. Durcharbeiten heißt die Devise.

Sich selbst die Serviceleistungen aussuchen? Ebenfalls schwierig. Blasen ohne Kondom ist Standard. “Was? Du willst das bei jedem Kunden selbst entscheiden? Wenn herauskommt, dass du dauernd mit Kondom bläst… hmm… werden wir voraussichtlich einer anderen Dame dein Zimmer geben müssen. Die Warteliste auf einen Platz bei uns ist lang, wie du weißt. Und wir haben schließlich als Haus einen Ruf zu verlieren. Und wann dann im lila Forum wieder steht, bei uns bläst eine nur mit Kondom – da bleiben uns die Kunden aus, du wirst verstehen, dass wir das nicht zulassen können.”

Woanders arbeiten? Auch schwierig. Denn der Betreiber hat mancherorts einen Deal mit der Bezirkshauptmannschaft: Diese verzeichnet den Betreiber als einzig zugelassenen Arbeitsort auf der Kontrollkarte der Sexarbeiterin. Somit kann sie nirgendwo sonst arbeiten, obwohl eine solche Vorgangsweise gar nicht dem Gesetz entspricht. Willkür seitens Behörden und Ausbeutung durch Betreiber, und schiefe Machtverhältnisse überall, wo man hinschaut. Überall dort, wo “Mädchen” “geholfen” werden soll, werden ihnen in Wahrheit Rechte weggenommen. Bis hin zu Abfuhr des Steueranteils durch Betreiber, die diesbezüglich Vereinbarungen mit dem Finanzamt haben: Um den “Mädchen” wieder mal zu “helfen” wird deren Umsatz einfach gleich mal um einen Pauschalsteueranteil reduziert und dem Finanzamt abgeführt. Weil diese Dummchen können das ja nicht selber. Eine Bestätigung über entrichtete Steuer? Nix da, bekommen diese Frauen nicht. Genau aus dem Grund bekamen viele Frauen in den Lockdowns keine staatliche Unterstützung. Sie konnten schlicht nicht nachweisen, jemals Steuer bezahlt zu haben, obwohl ihre Einkünfte durch Betreiberhände um Pauschalsteuern reduziert worden waren. Wieder wird offenbar: Es wird den Frauen vorgeblich “geholfen”, was nur dazu führt, dass sie in Abhängigkeiten und existenzielle Bedrohung geraten. Und genau in diesem Zusammenhang traut sich einer dieser Betreibertypen sogar offen zuzugeben, dass er im Lockdown staatlich gut unterstützt wurde. Na klar, schließlich hast du die ganze Steuerleistung der Frauen für dich geltend gemacht, du Arsch. 

Bei manchen Betreibern muss man als Sexarbeiterin gar einem extra für diese Zwecke erfundenen “Verein” beitreten, um arbeiten zu können. Der Beitrittsvertrag zum Verein kommt einem Blankoverzicht auf alle möglichen Grundrechte gleich, an Sittenwidrigkeit nicht zu überbieten. Trotzdem, muss man eben unterschreiben, wenn man dort arbeiten will, und leider ist das eben der einzige Betreiber in der Region. Keine Wahlmöglichkeit, da der Gesetzgeber andere Formen von Sexarbeit illegalisiert hat! 

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen, mit vielen Beispielen dafür, wie Betreiber mit Macht ausgestattet werden, was dann zu Symptomen führt, die man eigentlich verhindern wollte: Nämlich, dass die dort tätigen Frauen nicht frei arbeiten können, weil es zu monopolartigen Situationen kommt, wo einer allen anderen alles vorschreiben kann. 

Ich kann meinen Lesern echt nur ans Herz legen: Immer dann, wenn Betreiber über Sexarbeit reden und alle Formen der Sexarbeit schlecht machen, mit denen sie eben kein Geschäft machen: Glaubt ihnen kein Wort. Wie ich schon früher sagte: Es soll jeder Frau freistehen, wie sie der Sexarbeit nachgeht. Wenn es einer Frau lieber ist, das in einem Laufhaus oder Studio zu tun, dann soll sie das tun können. Aber nur aus freier Entscheidung, und nicht, weil es keine andere legale Möglichkeit gibt. Und die wichtigste Forderung: Betreiber gehören endlich zusammengestutzt auf das, was sie sein sollen: Zimmervermieter, nicht weniger und nicht mehr. Und die Meinung eines Zimmervermieters zu einem ihm fremden Kerngeschäftsbereich interessiert uns eigentlich alle einen feuchten Schas. ?

Auf aufgeschlitzte Reifen freut sich,

Eure Thorja

 

Frei + unabhängig = Independent Escort Wien

IBUS ist eine wichtige Einrichtung zur politischen Arbeit für Sexworker. Insbesondere setzt IBUS sich dafür ein, strukturelle Gewalt gegen Sexarbeitende sichtbar zu machen und in den öffentlichen Diskurs zu bringen. Es wird immer viel über Gewalt gegen Sexarbeitende gesprochen, in den meisten Fällen glauben Außenstehende dabei aber, die Gewalt drohe uns hauptsächlich von den Kunden. Die Wahrheit sieht ganz anders aus. Nicht individuelle Gewalt ist es, die uns das Leben schwer macht, sondern strukturelle. Davon spricht man etwa, wenn Gesetze so ausgestaltet sind, dass sie Ausbeutungsstrukturen begünstigen. Das ist zB dann der Fall, wenn Gesetze uns verbieten als Escort zu arbeiten und uns Sexarbeit nur in Bordellen erlauben, da dies angeblich sicherer sei. Escort ist im übrigen nur in vier Bundesländern erlaubt! Ich hatte einfach Glück, dass ich angefangen habe, in Wien und NÖ tätig zu sein, wo das erlaubt ist. Manche Behörden arbeiten auch sehr willkürlich und schreiben den Sexarbeitenden etwa vor, dass sie nur in bestimmten Bordellen arbeiten dürfen. Hierzu wird das jeweilige Bordell auf der sog. Kontrollkarte vermerkt. Wird die Sexarbeiterin damit in einem anderen Bordell oder bei einem Escorteinsatz erwischt, gibt es Strafe. Daraus folgt, dass sie von einem einzigen Bordellbetreiber abhängig ist, von seinem Goodwill. Das widerspricht der freien Arbeitsplatzwahl, die uns eigentlich garantiert ist.

Die Gesetze ermöglichen uns kein selbstbestimmtes Arbeiten, immer aus vorgeblichen Gründen des “Schutzes”. Einmal ist Escort verboten, ein anderes Mal muss man sich für ein bestimmtes Bordell entscheiden, man darf Kunden nicht bei sich empfangen, man darf unter keinen Umständen selbst ein Hotelzimmer zur Verfügung stellen, man muss in manchen Bundesländern schauen, dass man bei einem Escortbesuch irgendwelche Distanzen zu öffentlichen Einrichtungen nicht unterschreitet, was völlig hirnrissig ist, etc. Lauter Verbote, die sich gegen die Sexarbeitenden selbst richten und die zu Strafen für die Sexarbeitenden führen. Aber was soll all das mit Schutz zu tun haben? Wenn man jemanden schützen möchte, so muss man doch zuallererst dessen Rechte sichern, und nicht Handlungsoptionen einschränken.

Die Gesetze über die Sexarbeit werden NIE unter Miteinbezug von Sexarbeitenden gemacht, sondern immer von Fachfremden, die keine Ahnung von unserer Lebensrealität haben. Es ist für mich beispielsweise überhaupt nicht nachvollziehbar, warum nicht ich mal ein Hotelzimmer buchen darf, um einen Kunden dorthin einzuladen. Das wäre schon oft praktischer für uns beide gewesen. Ich hätte gerne auch mal einen Kunden mit einem besonders schönen Zimmer überrascht. Was soll daran verwerflich sein? Warum mach ich mich da gleich strafbar? Was soll das mit meinem Schutz zu tun haben? Inwiefern erfahre ich Schutz durch diese Strafe, und wovor überhaupt?! Das ist doch nur eine Einschränkung meiner Handlungsoptionen und eine unverständliche, diffuse Bedrohung für mich. Es passiert eher das Gegenteil von Sicherheit: Ich bekomme dadurch Angst vor der Polizei! 

Und über die Zwangsuntersuchung haben wir dabei noch gar nicht gesprochen: Alle 6 Wochen sollen Sexarbeitende sich in Österreich einer vaginalen Untersuchung unterziehen, deren Absolvierung auf der sog. Kontrollkarte vermerkt wird. Aber: Wenn es – angeblich – um die “Volksgesundheit” geht (ein überaus bedenkliches Wort, wie ich finde), dann bedeutet das, dass wir Sexarbeitenden als sowas wie Volksschädlinge gesehen werden. Anders ist es folgerichtig nämlich nicht zu erklären, dass die Zwangsuntersuchung nicht für alle sexuell Aktiven vorgeschrieben ist. Geht man wirklich davon aus, dass es sowas wie die “Volksgesundheit” gibt, und geht man weiter davon aus, dass man diese durch vorgeschriebene Untersuchungen in bestimmten Intervallen stärken könne, dann wäre die logische Folge daraus: Alle sexuell Aktiven müssen sich dieser Untersuchung unterziehen. Aber: Das widerspräche grundlegenden Menschenrechten. Im Falle von Sexarbeitenden werden also Menschenrechte mit Füßen getreten. An ihnen haftet offenbar etwas, was die Volksgesundheit ganz besonders von innen zerfrisst, so sehr, dass man nicht mal ihre Menschenrechte wahren muss. Doch was soll das sein? Dass Geld den Besitzer wechselt? Macht das Krankheiten etwa gefährlicher als wenn man gratis vögelt? Auf all das bekommt man keine Antworten. Das wird einfach so gemacht. Österreich ist eines der letzten Länder, welches diese Art von Untersuchung noch vorschreibt. In fast allen anderen Ländern, die ein ähnliches Konzept verfolgten, wurde diese Untersuchung bereits als menschenrechtswidrig abgeschafft. Und außerdem stellt sich mir die Frage:

Wenn es angeblich um Gesundheit geht – warum darf dann ein Polizist meine Kontrollkarte überprüfen? Was gehen die Polizei meine medizinischen Daten an? Auf diesen Einwand wird meist entgegnet: Die Polizei hat deswegen Kontrollrecht medizinischer Daten, weil es dabei um die Arbeit gegen Menschenhandel gehe. Sexarbeit sei ja ganz eng verbandelt mit Ausbeutung und Menschenhandel. Aha! Da tut sich aber das nächste Verständnisproblem auf: Wenn es um Menschenhandel und Aufenthaltsstatus etc geht…. warum um alles in der Welt muss man mir hierzu in die Scheide schauen? Was meint ihr da drinnen zu finden? Die Unterschrift meines Menschenhändlers? Einen Plan der Route, wie ich illegal nach Österreich eingewandert bin? Meinen Reisepass? Schwarzgeld? Egal, wie man versucht, die Zwangsuntersuchung zu rechtfertigen: Es funktioniert nicht. Sie ist schlicht Schikane, nichts weiter. Ein sozialer Statusanzeiger: Es wird uns damit gezeigt, wo wir stehen: Wir sind nicht ganz vollwertige Menschen, denen man vorschreiben kann, dass sie sich in die Scheide schauen lassen müssen. Das ist der wahre Kern der Sache. 

Statt Gesundheit zu fördern, geschieht das Gegenteil: Die Zwangsuntersuchung motiviert manche einfach gestrickten Kunden dazu, unsafe Praktiken zu fordern. Die Haltung lautet ungefähr so: “Ich bin zahlender Kunde, und die Nutte muss eh kontrolliert sein, also will ich ohne Kondom”. Das ist täglich in Freierforen nachzulesen. Es ist also mehr als deutlich, dass die Verantwortung einseitig den Frauen zugeschrieben wird. Manche Kunden glauben sich durch die Zwangsuntersuchung also von jeglicher Mitverantwortung befreit und handeln dementsprechend verantwortungslos. Auch DAS ist leider täglich in Freierforen nachzulesen. (Exkurs: Das ist aber zum Glück nur eine ganz bestimmte Klientel. Meist die Schnorrerpartie, die in den Foren am weitesten die Pappn aufreißt. Weil warum schreiben sie in Foren? Weil sie wissen wollen, wo es am billigsten ist, wo man am meisten “Service” (a, b, c, d, e, f…) gegen Betrag x bekommt. Deshalb wichtige Bemerkung am Rande: Freierforen bilden NICHT die Gesamtheit der Kundschaft ab. Die weit überwiegende Mehrheit weiß diskret zu sein und begibt sich nicht in solche Niederungen.)

Das Ergebnis, zu dem die Zwangsuntersuchung führt, ist katastrophal für die proklamierte “Volksgesundheit”. Richtiger wäre: In einer intimen Begegnung wissen BEIDE, dass ein grundsätzliches Ansteckungsrisiko besteht, nona. Deswegen übernehmen beide die Verantwortung FÜREINANDER und schützen sich selbst und die andere Person bestmöglich. DAS wäre ein Beitrag zur “Volksgesundheit”. Und DAS wird auch so gehandhabt in der alltäglichen Sexarbeit. Weil die Frauen und Männer, die darin arbeiten, Selbstverantwortung übernehmen. Und weil die meisten Kunden eben nicht die oben geschildeten Arschlöcher sind, für die sie von Außenstehenden (oft auch aufgrund dessen, was in Freierforen so zu lesen ist) gehalten werden. Die allermeisten Kunden übernehmen ganz selbstverständlich genauso Verantwortung wie wir. 

Selbstverantwortung kann man dann am besten übernehmen, wenn man frei ist und nicht von Verboten umzingelt, sodass nur ganz wenige Handlungsoptionen übrigbleiben. Deshalb wäre es wichtig, dass Sexworker in ihren Rechten gestärkt werden. Denn eins muss euch immer bewusst sein: Einer bestimmten Gruppe Rechte zu nehmen, bedeutet immer: Das kann grundsätzlich auch einer anderen Gruppe widerfahren. Das kann grundsätzlich auch euch, die ihr dies lest, widerfahren. Deshalb sind die Rechte von Sexworkern auch eure Rechte. Und deshalb möchte ich euch bitten, hier unter diesem Link IBUS zu unterstützen: 

 

Frei + unabhängig = Independent Escort Wien

Gestern durfte ich einer Wissenschafterin ein Interview geben. Thema war die vaginale Zwangsuntersuchung für Sexarbeitende, die es nur noch in Österreich gibt, meine Erfahrungen damit und Meinung darüber. Stilgerecht lud ich in den Tiefen Graben ein. Der arme zufällig anwesende Postler hatte wohl den Rest des Tages Kopfkino, als er uns 2 Frauen Richtung Zimmer verschwinden sah. ?

Der aktuelle Artikel im Standard zur Situation der Sexarbeit in Österreich ist nicht so schlecht, enthält aber begriffliche Unschärfen, vor allem was Wohnungen betrifft.

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Hallo Ihr Lieben, da ich nun sowieso regelmäßig einen Antigen-Schnelltest absolviere, darf ich über das dieswöchige Ergebnis informieren: Es ist negativ. ?Ich werde in Hinkunft voraussichtlich 1-2 mal pro Woche durch die Teststraße fahren und die Ergebnisse hier veröffentlichen.

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