Update vom 09.11.: Sehr wichtig zum Thema, bitte lest diese aktuelle Schilderung einer Sexarbeiterin aus einem Laufhaus! Erschreckend und zum Speiben ->  https://www.sexworker.at/phpBB2/viewtopic.php?f=19&t=15108&sid=9cc2a963f1d84f0ec87b676b59e98448#p165672

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Beitrag vom 26.10.: Es wird einem regelrecht übel dabei, wenn man derzeit in Boulevardmedien blättert. Laufhausbetreiber stellen sich wieder mal als die Retter der “Rotlichtszene” dar und lassen sich in regelrechten Feldherrenposen ablichten. Damen ohne Gesichter zeigen dazu ihre Hintern. An Frauenverachtung ist das kaum zu überbieten. 

Sie lamentieren über Umsatzeinbußen. Nona. Die Pandemie hat kaum einen Dienstleistungssektor verschont gelassen. Gerade die Sexarbeit lebt von Diskretion und Anonymität. Natürlich schlägt es sich daher in ausnahmslos allen Bereichen der Sexarbeit auf die Umsätze nieder, wenn Kunden sich registrieren sollen. Die Angst vor Ansteckung bei körpernahen Dienstleistungen tut ihr übriges. Dazu die widersprüchlichen Informationen zum Schutz durch Impfung, 3G, 2,5G… etc. Kein Wunder, dass allerorts die Kunden ausbleiben. 

Und kein Wunder ist es auch, dass sich Laufhausbetreiber seit jeher gegen selbständige Sexarbeit stark machen. Immer wenn sie irgendwo zu Wort kommen, verunglimpfen sie alle Frauen, die unabhängig von ihnen arbeiten. Eh klar, mit selbständiger Sexarbeit machen sie eben kein Geschäft! Deshalb ist ihnen alles ein Dorn im Auge, was nicht unter ihrer Fuchtel steht: Sexarbeit in eigenen Wohnungen, Sexarbeit als unabhängige Escortdienstleistung, Sexarbeit auf der Straße. All das sind Formen der Sexarbeit, wo das Honorar der Sexarbeiterin verbleibt und kein Betreiber die Hand aufhält. Um dagegen Stimmung zu machen, werden die schlimmsten Geschütze aufgefahren, die wir in der Geschichte der Sexarbeit eh schon zur Genüge kennen: Entweder werden diese Frauen als Opfer hingestellt, oder – wenn das nicht gelingt – als Täterinnen. So seien die Frauen in den unabhängigen Sexarbeitsformen Opfer von Zuhältern oder von gewaltbereiten Kunden, oder, wenn diese Argumente sich als fadenscheinig entpuppen, weil nach Kenntnis der Hintergründe jedem klar wird, dass in Wahrheit die Laufhausbetreiber diejenigen sind, die vom Staat mit der Macht von Zuhältern ausgestattet sind, dann werden diese unabhängigen Frauen eben einfach als krank und ekelhaft und als Gefahr für die “Volksgesundheit” hingestellt. Huren Krankheit zu unterstellen, ist immer das Leichteste und Schäbigste. Und so zu tun, als hätte man als Betreiber ein Monopol an Gesundheit, ist an Niedertracht nicht zu überbieten. 

Und jetzt passiert es boulevardmedienwirksam wieder: Es wird den Huren die Schuld an den Umsatzeinbußen der Laufhäuser gegeben. Die Huren selber seien nun schuld, dass sie, die tollen, “sauberen”, “hygienischen”, “sterilen” (LOL), “geprüften” Laufhäuser bis zu 50% Umsatzeinbußen haben. Es wird ein unsympathisches, raffgieriges Bild der Sexarbeiterinnen gezeichnet: Sie seien auf den Geschmack gekommen, in Wohnungen zu arbeiten, diese Bösen! Illegal ist das, furchtbar, diese Weiber! Habgierig sind sie! Schmutzig wahrscheinlich, ungeprüft, und krank obendrein! Pfui gack! Dem gehört ein “Riegel vorgeschoben”.

Mit dem Nimbus der Rechtschaffenheit treten sie auf, diese Typen. Mit Sonnenbrille und Frauen, äh pardon, “Mädchen”, als Garnierung. Medien geben ihnen immer wieder eine Bühne. Warum? Na weil sich das einfach besser verkauft als eine differenziertere Wahrheit. Es wäre einfach langweilig, wenn man immer schreiben müsste: RECHTE brauchen diese Frauen, nicht Entrechtung in Form von Abhängigkeit von Betreibern! Und wenn man obendrein als Bildsprache nur eine normal angezogene Frau hätte, die dies fordert. Das wäre viel zu wenig reißerisch. Und es entspricht ja alles so schön dem kulturellen Narrativ: An der Spitze einer solchen Einrichtung muss eine Art Patriarch stehen. Eine männliche Leitfigur, die dort alles “im Griff” hat. Ein “Pater” im Wortsinn des Herrschers, Vaters, Oberhaupts, Häuptlings, zu dem alle aufschauen, der die Deutungshoheit besitzt und der für alle hierarchisch unter ihm Stehenden sprechen kann. Dem diese Frauen ein bisschen gehören. Sind ja “seine Mädchen”. Er passt ja auch auf sie auf. Es ist so durchschaubar, dass einem eigentlich die Worte fehlen. Und trotzdem verkauft sich diese Story ein ums andere Mal. 

Richtig ist vielmehr folgende Lesart: Ja, manche Frauen haben sich aufgrund ihrer negativen Erfahrungen zum Glück von der Ausbeutung durch Laufhausbetreiber unabhängig gemacht! Und ja: Illegal ist die Arbeit in der Wohnung – aber nur, weil sich unsere Gesetzgebung das so einbildet. Illegalisiert ist der richtige Begriff, nicht illegal. Die österreichische Gesetzgebung verunmöglicht selbständiges und von Neo-Zuhältern wie manchen Laufhausbetreibern unabhängiges Arbeiten in den meisten Bundesländern. Nur in 4 Bundesländern ist Escort überhaupt erlaubt. Und die Arbeit in Wohnungen ist in ganz AT illegalisiert. Österreich nimmt damit eine traurige Sonderstellung ein. In Deutschland etwa kann man Wohnungen als Arbeitswohnungen anmelden, um darin der Sexarbeit nachzugehen. Also, was ist überhaupt das Problem damit? 

Aber damit nicht genug. Nicht nur die Verantwortung für ausbleibende Kunden wird den selbständig arbeitenden Frauen in die Schuhe geschoben, sondern mehr noch: Abschiebung wird gefordert, ein Entzug der Arbeitserlaubnis, höhere Strafen! “Das würde ihnen richtig wehtun”, sagt einer der Protagonisten. Ist das an Verachtung noch zu überbieten? Zum Kotzen ist das. Was ist eigentlich deren Leistung? Um Unsummen (bis zu 1.000 Euro PRO WOCHE!!) mietet eine Sexarbeiterin ein Zimmer in einem Laufhaus. Und die Betreiber sind ausgestattet mit Kontrollrechten seitens des Staates. Sie sind staatlich eingesetzte Zuhälter, nichts weiter. Von “Mädchen” reden sie. “Mädchen”, die sie “überprüfen”, wie Vieh, damit die Kunden “sichere Sexarbeit” in Anspruch nehmen können. Allein schon diese Wortwahl entlarvt die Geringschätzung dieser nach Gesetz als Neue Selbständige tätigen erwachsenen Frauen. Der Ausbeutung fallen diese erwachsenen Frauen anheim, weil die Betreiber ihnen die Arbeitsbedingungen diktieren können.

Pause machen? Spazieren gehen zwischen zwei Kunden? Schwierig, wie ich von Kolleginnen hören musste. “Wenn du dauernd Pause machst, wissen wir nicht, ob wir dir in Zukunft noch ein Zimmer anbieten können, da beschweren sich Kunden, weil du von uns beworben wirst, aber nicht am Zimmer bist!”. Durcharbeiten heißt die Devise.

Sich selbst die Serviceleistungen aussuchen? Ebenfalls schwierig. Blasen ohne Kondom ist Standard. “Was? Du willst das bei jedem Kunden selbst entscheiden? Wenn herauskommt, dass du dauernd mit Kondom bläst… hmm… werden wir voraussichtlich einer anderen Dame dein Zimmer geben müssen. Die Warteliste auf einen Platz bei uns ist lang, wie du weißt. Und wir haben schließlich als Haus einen Ruf zu verlieren. Und wann dann im lila Forum wieder steht, bei uns bläst eine nur mit Kondom – da bleiben uns die Kunden aus, du wirst verstehen, dass wir das nicht zulassen können.”

Woanders arbeiten? Auch schwierig. Denn der Betreiber hat mancherorts einen Deal mit der Bezirkshauptmannschaft: Diese verzeichnet den Betreiber als einzig zugelassenen Arbeitsort auf der Kontrollkarte der Sexarbeiterin. Somit kann sie nirgendwo sonst arbeiten, obwohl eine solche Vorgangsweise gar nicht dem Gesetz entspricht. Willkür seitens Behörden und Ausbeutung durch Betreiber, und schiefe Machtverhältnisse überall, wo man hinschaut. Überall dort, wo “Mädchen” “geholfen” werden soll, werden ihnen in Wahrheit Rechte weggenommen. Bis hin zu Abfuhr des Steueranteils durch Betreiber, die diesbezüglich Vereinbarungen mit dem Finanzamt haben: Um den “Mädchen” wieder mal zu “helfen” wird deren Umsatz einfach gleich mal um einen Pauschalsteueranteil reduziert und dem Finanzamt abgeführt. Weil diese Dummchen können das ja nicht selber. Eine Bestätigung über entrichtete Steuer? Nix da, bekommen diese Frauen nicht. Genau aus dem Grund bekamen viele Frauen in den Lockdowns keine staatliche Unterstützung. Sie konnten schlicht nicht nachweisen, jemals Steuer bezahlt zu haben, obwohl ihre Einkünfte durch Betreiberhände um Pauschalsteuern reduziert worden waren. Wieder wird offenbar: Es wird den Frauen vorgeblich “geholfen”, was nur dazu führt, dass sie in Abhängigkeiten und existenzielle Bedrohung geraten. Und genau in diesem Zusammenhang traut sich einer dieser Betreibertypen sogar offen zuzugeben, dass er im Lockdown staatlich gut unterstützt wurde. Na klar, schließlich hast du die ganze Steuerleistung der Frauen für dich geltend gemacht, du Arsch. 

Bei manchen Betreibern muss man als Sexarbeiterin gar einem extra für diese Zwecke erfundenen “Verein” beitreten, um arbeiten zu können. Der Beitrittsvertrag zum Verein kommt einem Blankoverzicht auf alle möglichen Grundrechte gleich, an Sittenwidrigkeit nicht zu überbieten. Trotzdem, muss man eben unterschreiben, wenn man dort arbeiten will, und leider ist das eben der einzige Betreiber in der Region. Keine Wahlmöglichkeit, da der Gesetzgeber andere Formen von Sexarbeit illegalisiert hat! 

Diese Liste ließe sich noch lange fortsetzen, mit vielen Beispielen dafür, wie Betreiber mit Macht ausgestattet werden, was dann zu Symptomen führt, die man eigentlich verhindern wollte: Nämlich, dass die dort tätigen Frauen nicht frei arbeiten können, weil es zu monopolartigen Situationen kommt, wo einer allen anderen alles vorschreiben kann. 

Ich kann meinen Lesern echt nur ans Herz legen: Immer dann, wenn Betreiber über Sexarbeit reden und alle Formen der Sexarbeit schlecht machen, mit denen sie eben kein Geschäft machen: Glaubt ihnen kein Wort. Wie ich schon früher sagte: Es soll jeder Frau freistehen, wie sie der Sexarbeit nachgeht. Wenn es einer Frau lieber ist, das in einem Laufhaus oder Studio zu tun, dann soll sie das tun können. Aber nur aus freier Entscheidung, und nicht, weil es keine andere legale Möglichkeit gibt. Und die wichtigste Forderung: Betreiber gehören endlich zusammengestutzt auf das, was sie sein sollen: Zimmervermieter, nicht weniger und nicht mehr. Und die Meinung eines Zimmervermieters zu einem ihm fremden Kerngeschäftsbereich interessiert uns eigentlich alle einen feuchten Schas. 🖕

Auf aufgeschlitzte Reifen freut sich,

Eure Thorja

 

Frei + unabhängig = Independent Escort Wien

IBUS ist eine wichtige Einrichtung zur politischen Arbeit für Sexworker. Insbesondere setzt IBUS sich dafür ein, strukturelle Gewalt gegen Sexarbeitende sichtbar zu machen und in den öffentlichen Diskurs zu bringen. Es wird immer viel über Gewalt gegen Sexarbeitende gesprochen, in den meisten Fällen glauben Außenstehende dabei aber, die Gewalt drohe uns hauptsächlich von den Kunden. Die Wahrheit sieht ganz anders aus. Nicht individuelle Gewalt ist es, die uns das Leben schwer macht, sondern strukturelle. Davon spricht man etwa, wenn Gesetze so ausgestaltet sind, dass sie Ausbeutungsstrukturen begünstigen. Das ist zB dann der Fall, wenn Gesetze uns verbieten als Escort zu arbeiten und uns Sexarbeit nur in Bordellen erlauben, da dies angeblich sicherer sei. Escort ist im übrigen nur in vier Bundesländern erlaubt! Ich hatte einfach Glück, dass ich angefangen habe, in Wien und NÖ tätig zu sein, wo das erlaubt ist. Manche Behörden arbeiten auch sehr willkürlich und schreiben den Sexarbeitenden etwa vor, dass sie nur in bestimmten Bordellen arbeiten dürfen. Hierzu wird das jeweilige Bordell auf der sog. Kontrollkarte vermerkt. Wird die Sexarbeiterin damit in einem anderen Bordell oder bei einem Escorteinsatz erwischt, gibt es Strafe. Daraus folgt, dass sie von einem einzigen Bordellbetreiber abhängig ist, von seinem Goodwill. Das widerspricht der freien Arbeitsplatzwahl, die uns eigentlich garantiert ist.

Die Gesetze ermöglichen uns kein selbstbestimmtes Arbeiten, immer aus vorgeblichen Gründen des “Schutzes”. Einmal ist Escort verboten, ein anderes Mal muss man sich für ein bestimmtes Bordell entscheiden, man darf Kunden nicht bei sich empfangen, man darf unter keinen Umständen selbst ein Hotelzimmer zur Verfügung stellen, man muss in manchen Bundesländern schauen, dass man bei einem Escortbesuch irgendwelche Distanzen zu öffentlichen Einrichtungen nicht unterschreitet, was völlig hirnrissig ist, etc. Lauter Verbote, die sich gegen die Sexarbeitenden selbst richten und die zu Strafen für die Sexarbeitenden führen. Aber was soll all das mit Schutz zu tun haben? Wenn man jemanden schützen möchte, so muss man doch zuallererst dessen Rechte sichern, und nicht Handlungsoptionen einschränken.

Die Gesetze über die Sexarbeit werden NIE unter Miteinbezug von Sexarbeitenden gemacht, sondern immer von Fachfremden, die keine Ahnung von unserer Lebensrealität haben. Es ist für mich beispielsweise überhaupt nicht nachvollziehbar, warum nicht ich mal ein Hotelzimmer buchen darf, um einen Kunden dorthin einzuladen. Das wäre schon oft praktischer für uns beide gewesen. Ich hätte gerne auch mal einen Kunden mit einem besonders schönen Zimmer überrascht. Was soll daran verwerflich sein? Warum mach ich mich da gleich strafbar? Was soll das mit meinem Schutz zu tun haben? Inwiefern erfahre ich Schutz durch diese Strafe, und wovor überhaupt?! Das ist doch nur eine Einschränkung meiner Handlungsoptionen und eine unverständliche, diffuse Bedrohung für mich. Es passiert eher das Gegenteil von Sicherheit: Ich bekomme dadurch Angst vor der Polizei! 

Und über die Zwangsuntersuchung haben wir dabei noch gar nicht gesprochen: Alle 6 Wochen sollen Sexarbeitende sich in Österreich einer vaginalen Untersuchung unterziehen, deren Absolvierung auf der sog. Kontrollkarte vermerkt wird. Aber: Wenn es – angeblich – um die “Volksgesundheit” geht (ein überaus bedenkliches Wort, wie ich finde), dann bedeutet das, dass wir Sexarbeitenden als sowas wie Volksschädlinge gesehen werden. Anders ist es folgerichtig nämlich nicht zu erklären, dass die Zwangsuntersuchung nicht für alle sexuell Aktiven vorgeschrieben ist. Geht man wirklich davon aus, dass es sowas wie die “Volksgesundheit” gibt, und geht man weiter davon aus, dass man diese durch vorgeschriebene Untersuchungen in bestimmten Intervallen stärken könne, dann wäre die logische Folge daraus: Alle sexuell Aktiven müssen sich dieser Untersuchung unterziehen. Aber: Das widerspräche grundlegenden Menschenrechten. Im Falle von Sexarbeitenden werden also Menschenrechte mit Füßen getreten. An ihnen haftet offenbar etwas, was die Volksgesundheit ganz besonders von innen zerfrisst, so sehr, dass man nicht mal ihre Menschenrechte wahren muss. Doch was soll das sein? Dass Geld den Besitzer wechselt? Macht das Krankheiten etwa gefährlicher als wenn man gratis vögelt? Auf all das bekommt man keine Antworten. Das wird einfach so gemacht. Österreich ist eines der letzten Länder, welches diese Art von Untersuchung noch vorschreibt. In fast allen anderen Ländern, die ein ähnliches Konzept verfolgten, wurde diese Untersuchung bereits als menschenrechtswidrig abgeschafft. Und außerdem stellt sich mir die Frage:

Wenn es angeblich um Gesundheit geht – warum darf dann ein Polizist meine Kontrollkarte überprüfen? Was gehen die Polizei meine medizinischen Daten an? Auf diesen Einwand wird meist entgegnet: Die Polizei hat deswegen Kontrollrecht medizinischer Daten, weil es dabei um die Arbeit gegen Menschenhandel gehe. Sexarbeit sei ja ganz eng verbandelt mit Ausbeutung und Menschenhandel. Aha! Da tut sich aber das nächste Verständnisproblem auf: Wenn es um Menschenhandel und Aufenthaltsstatus etc geht…. warum um alles in der Welt muss man mir hierzu in die Scheide schauen? Was meint ihr da drinnen zu finden? Die Unterschrift meines Menschenhändlers? Einen Plan der Route, wie ich illegal nach Österreich eingewandert bin? Meinen Reisepass? Schwarzgeld? Egal, wie man versucht, die Zwangsuntersuchung zu rechtfertigen: Es funktioniert nicht. Sie ist schlicht Schikane, nichts weiter. Ein sozialer Statusanzeiger: Es wird uns damit gezeigt, wo wir stehen: Wir sind nicht ganz vollwertige Menschen, denen man vorschreiben kann, dass sie sich in die Scheide schauen lassen müssen. Das ist der wahre Kern der Sache. 

Statt Gesundheit zu fördern, geschieht das Gegenteil: Die Zwangsuntersuchung motiviert manche einfach gestrickten Kunden dazu, unsafe Praktiken zu fordern. Die Haltung lautet ungefähr so: “Ich bin zahlender Kunde, und die Nutte muss eh kontrolliert sein, also will ich ohne Kondom”. Das ist täglich in Freierforen nachzulesen. Es ist also mehr als deutlich, dass die Verantwortung einseitig den Frauen zugeschrieben wird. Manche Kunden glauben sich durch die Zwangsuntersuchung also von jeglicher Mitverantwortung befreit und handeln dementsprechend verantwortungslos. Auch DAS ist leider täglich in Freierforen nachzulesen. (Exkurs: Das ist aber zum Glück nur eine ganz bestimmte Klientel. Meist die Schnorrerpartie, die in den Foren am weitesten die Pappn aufreißt. Weil warum schreiben sie in Foren? Weil sie wissen wollen, wo es am billigsten ist, wo man am meisten “Service” (a, b, c, d, e, f…) gegen Betrag x bekommt. Deshalb wichtige Bemerkung am Rande: Freierforen bilden NICHT die Gesamtheit der Kundschaft ab. Die weit überwiegende Mehrheit weiß diskret zu sein und begibt sich nicht in solche Niederungen.)

Das Ergebnis, zu dem die Zwangsuntersuchung führt, ist katastrophal für die proklamierte “Volksgesundheit”. Richtiger wäre: In einer intimen Begegnung wissen BEIDE, dass ein grundsätzliches Ansteckungsrisiko besteht, nona. Deswegen übernehmen beide die Verantwortung FÜREINANDER und schützen sich selbst und die andere Person bestmöglich. DAS wäre ein Beitrag zur “Volksgesundheit”. Und DAS wird auch so gehandhabt in der alltäglichen Sexarbeit. Weil die Frauen und Männer, die darin arbeiten, Selbstverantwortung übernehmen. Und weil die meisten Kunden eben nicht die oben geschildeten Arschlöcher sind, für die sie von Außenstehenden (oft auch aufgrund dessen, was in Freierforen so zu lesen ist) gehalten werden. Die allermeisten Kunden übernehmen ganz selbstverständlich genauso Verantwortung wie wir. 

Selbstverantwortung kann man dann am besten übernehmen, wenn man frei ist und nicht von Verboten umzingelt, sodass nur ganz wenige Handlungsoptionen übrigbleiben. Deshalb wäre es wichtig, dass Sexworker in ihren Rechten gestärkt werden. Denn eins muss euch immer bewusst sein: Einer bestimmten Gruppe Rechte zu nehmen, bedeutet immer: Das kann grundsätzlich auch einer anderen Gruppe widerfahren. Das kann grundsätzlich auch euch, die ihr dies lest, widerfahren. Deshalb sind die Rechte von Sexworkern auch eure Rechte. Und deshalb möchte ich euch bitten, hier unter diesem Link IBUS zu unterstützen: 

 

Frei + unabhängig = Independent Escort Wien

Gestern durfte ich einer Wissenschafterin ein Interview geben. Thema war die vaginale Zwangsuntersuchung für Sexarbeitende, die es nur noch in Österreich gibt, meine Erfahrungen damit und Meinung darüber. Stilgerecht lud ich in den Tiefen Graben ein. Der arme zufällig anwesende Postler hatte wohl den Rest des Tages Kopfkino, als er uns 2 Frauen Richtung Zimmer verschwinden sah. 😁

Der aktuelle Artikel im Standard zur Situation der Sexarbeit in Österreich ist nicht so schlecht, enthält aber begriffliche Unschärfen, vor allem was Wohnungen betrifft.

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Hallo Ihr Lieben, da ich nun sowieso regelmäßig einen Antigen-Schnelltest absolviere, darf ich über das dieswöchige Ergebnis informieren: Es ist negativ. 👍Ich werde in Hinkunft voraussichtlich 1-2 mal pro Woche durch die Teststraße fahren und die Ergebnisse hier veröffentlichen.

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26.10.2020 Rückblick auf Innsbruck

Hallo meine Lieben,

Und schon wieder ist die Veranstaltung in Innsbruck eine Woche her. Für alle, die gerne dabei gewesen wären, habe ich hier ein Audofile meines Vortrags:

Ich möchte euch aber auch abseits des Inhaltlichen nicht vorenthalten, wie dieser ereignisreiche Tag verlaufen ist: Weiterlesen

Ihr Lieben, ihr habt hier die Möglichkeit, meinen Vortrag vom 21.10. in Innsbruck zum Thema “Sexarbeit in der Pandemie” nachzuhören. Ich hab meinen Input für euch nochmal rekonstruiert und aufgesprochen. Kommentare sind willkommen. 🙂

Ich darf mitteilen, dass Mademoiselle Ruby und ich am kommenden Mittwoch, 21.10., einen Vortrag in Innsbruck zur Situation der Sexarbeit in der Coronapandemie halten werden. Ruby ist Sexarbeiterin und Vorstandsfrau von Hydra eV in Berlin und wird mit ihrer Expertise auf die Besonderheiten in Deutschland eingehen, ich auf Österreich. Es wird nach unseren Inputs Gelegenheit zur Diskussion geben. Ich bin live vor Ort, Ruby wird online zugeschaltet. Es würde uns freuen, euch zahlreich begrüßen zu dürfen, auch wenn die Anzahl möglicher TeilnehmerInnen coronabedingt auf 60 beschränkt ist. Ich hoffe indes, dass die kürzlich stattgefundene “Rotfärbung” Tirols nicht noch weitere Einschränkungen mit sich bringt.

Wo und wann genau: Mittwoch, 21.10., Die Bäckerei, Kulturbackstube, Dreiheiligenstraße 21a, Innsbruck.

Bitte um Anmeldung unter ibus@aep.at

Und hier gibt es noch die offizielle Veranstaltungsankündigung durch die Veranstalterin IBUS Innsbruck:

Ankündigung

(c) Foto: Bernadette Krassay

Wie versprochen darf ich hier nun den aktuellen Artikel der Wiener Zeitung vom 10.07.2020 zur aktuellen Situation der Sexarbeit in Österreich teilen. Als VertreterInnen von Sexworker.at haben Christian Knappik und ich einen Tag mit der engagierten Journalistin Bernadette Krassay verbracht. Neben ausführlichen Gesprächen zwischen uns und mit den Betreibern von Maxim und Erotikstudio Margareten blieb auch noch Zeit für eine Exkursion an geschichtsträchtige Orte der Wiener Sexarbeit und an den Straßenstrich.

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Ich weiß, das ist ein harter Titel. Zu hart, werden manche meinen. Dieser Meinung bin ich nicht – leider. Um zu erörtern, wie ich zu dieser Ansicht komme, erlaube ich mir eine kurze Einleitung:

Seit 01.07. ist Sexarbeit in AT in den stationären Einrichtungen (Bordell, Laufhaus, Studio) nach den Coronabeschränkungen wieder möglich, da die Verordnung, die ein Betretungsverbot für Kunden bestimmte, ausgelaufen ist. So weit, so gut. Auch der Kelch bezüglich Hygienevorschriften ist an uns vorübergegangen. Keine Verpflichtung also, eine Unterarmlänge Abstand zu halten, wie es eine Zeitlang kolportiert wurde! Ich maße mir an, zu behaupten, dass wir von Sexworker.at sowie PiA Salzburg (Christine Nagl, Beratung: 0664 25 44445) entscheidend darauf Einfluss hatten, die Verantwortlichen im Gesundheitsministerium erkennen zu lassen, dass Vorschriften der falsche Weg sind, da diese nur den Sexarbeitenden schaden (Strafen, Erpressungsmöglichkeit, Gewalt, staatliche Beschränkung des Menschenrechts der sexuellen Selbstbestimmung). Auch hier kann ich also sagen: So weit so gut, wir haben einen Erfolg verbucht. Man nimmt uns und unsere Kunden als mündige Menschen wahr, die miteinander verantwortungsvoll umgehen, im eigenen Ermessen. Der Staat hält sich vor einem Eingriff in die Intimsphäre der Menschen zurück. Weiterlesen